Fotoblog: Fjällräven Classic Sweden – ein 110 km langes Abenteuer!

Fjällräven Classic Blues… ich tanze noch während meine Finger auf der Tastatur versuchen die vielen Eindrücke und das Erlebte in Worte zu fassen. Der Beitrag könnte kurz und bündig werden mit den Worten: Wahnsinn, Himmel und Hölle zugleich, Schmerzen, Freude, Stolz, Dankbarkeit und endloses Staunen.

Werde ich so nicht stehen lassen und möchte dir näher bringen was für eine großartige Erfahrung diese 110 km mit Rucksack und Zelt entlang des Königsweges in Schwedisch Lappland war. Komm mit und lass dich zum mittanzen verleiten.

In der Zivilisation und meinem Alltag bin ich noch nicht angekommen. Es waren keine Wochen und Monate im hohen Norden fernab jeglichem Verkehr, Häuser, vollen Kühlschränken und Handyempfang. 5 Tage in der Wildnis Lapplands mit Rucksack und Zelt. Den Naturgewalten ausgesetzt ohne in ein warmes Haus flüchten zu können, lässt dich deine Komfortzone mehr als nur verlassen.

Das Event selbst hatte diese Dauer, die Vorbereitungen und Freude darauf begannen schon etwa 10 Monate davor. Aus einem netten und aufregenden Gedanken entwickelte sich Neugierde und die unbändige Lust diese  Herausforderung anzunehmen.

„Das mach ich jetzt! Kommst du mit?“

Mein Freund und ich hatten uns die letzten 10 Monate kontinuierlich auf diese Reise vorbereitet. Die Ausrüstung musste angeschafft und getestet werden. Am besten bei unseren Trainingswanderungen während des Jahres. Unsere Wochenenden bestanden aus bis zu 30 km-Wanderungen mit vollem Gepäck. Spaß und Training zugleich. Wie es aber sein wird am nächsten Tag mit schweren Knochen und schmerzenden Muskeln aus dem Zelt zu kriechen und den Rucksack erneut mit knapp 14 kg um Schultern und Hüften zu schwingen…. das haben wir erst im schönen Norden erleben dürfen.

Tourenbericht? Eher nicht!

Ich habe mich dazu entschieden keinen Reisebericht mit Tourenbeschreibungen und Tagesetappen zu veröffentlichen. Diese sind im Internet weit verbreitet und können detaillierter nachgeschlagen werden (Verweis siehe Textende). Mein Ziel ist es, meine Eindrücke und die Schönheit dieser Landschaft anhand Bildern weiterzugeben. Aber auch die Höhen und Tiefen einer solchen Reise. Was habe ich mitgenommen und möchte ich unbedingt behalten? Was habe ich dort lassen dürfen?

Um vorab Mißverständnisse auszuräumen. Fjällräven Classic ist keine geführte Wanderreise. Über 3 Tage hinweg werden Teilnehmer zu verschiedenen Zeiten mit Kartenmaterial und Wanderpass in die schwedische Wildnis „entlassen“.

 

Der Outdooraustatter Fjällräven hat dieses Event vor einigen Jahren ins Leben gerufen, um mehr Menschen die Natur und diesen wunderbaren Sport näher zu bringen. Welche Zeit für die 110 km innerhalb der 5 Tage benötigt werden entscheidet jeder Teilnehmer selbst. Die vorgeschlagenen Tagesetappen sind je nach Witterung und Tagesverfassung möglich oder aber auch nicht. Selbsteinschätzung und gute Etappenplanung während dieser abwechslungsreichen Strecke werden ganz groß geschrieben.

Aber zuvor gilt es die Ausrüstung noch aufzupeppen. Ob Hosen wachsen oder noch fehlende Utensilien „Last-Minute“ zu erstehen.

Als „Backup“ ist die Organisation von Checkpoints entlang der Trekkingstrecke gedacht. Um Trockennahrung aufzufüllen, sich verarzten zu lassen oder in schweren Fällen per Helikopter ans Ziel gebracht zu werden. Erschöpfungszustände, Unfälle oder Dehydrierung haben ab dem ersten Tag die Helikopter über unseren Köpfen fliegen lassen. Diese waren die einzig möglichen Transportmittel, wenn die Füße versagen. Während der Strecke gibt es keinerlei Netzverbindung. Die Checkpoints sind mit Funkgeräten ausgestattet um das „Flugtaxi“ bei Bedarf zu rufen.

Wichtigste Regel: nimm alles mit, auch fremden Müll.

Das Event wurde als „Green Event“ ausgezeichnet. Kaum zu glauben bei 2000 Teilnehmern. Aber nachvollziehbar.

Mit einem Müllbeutel ausgestattet wird dir die Botschaft mitgegeben, so viel fremden Müll wie möglich mitzunehmen. Am Ende gibt es gar einen Wettbewerb für den schwersten Müllbeutel mit fremden Gegenständen. Ein guter Ansporn wie ich finde.Und es macht sich bezahlt. Bis auf ein paar frech liegengelassenen Müllsäckchen auf den ersten Kilometern, weit und breit kein Müll zu sehen, der die Schönheit dieser  beeindruckenden Landschaft schmälern könnte.

Redet miteinander und helft euch!

Das waren die Worte des Organisationsteams und gleichzeitig Startschuss in 5 unvergessliche Tage in der Wildnis Lapplands!

Die letzten Formalitäten erledigen und dann Abmarsch!

 

Aber davor noch typisch schwedische Hindernisse zum Startpunkt…
…Busfahrer in Schweden habens nicht leicht und bleiben in Bewegung!

 

Matsch und Schlamm ab der ersten Stunde! Zu Beginn war uns das Wetter noch gnädig!

 

Unwegsames Gelände, jeder Schritt fordert vollste Konzentration! Stehenbleiben und Staunen. Dafür solltest du dir genügend Zeit einräumen! Du wirst belohnt!

 

… und nirgends! Wie viel Flüsse wir überqueren mussten ohne Hilfsmittel geht in die gefühlten Hunderte. Je nach Witterung und Regenfall steigen die teils wilden Flüsse so hoch an, dass eine Überquerung regelrecht studiert und abgegangen werden muss.

Dafür gelangst du an die schönsten Plätze um den Tag ausklingen zu lassen…

 

…. und am nächsten Morgen der erste Blick die Schönheit der Landschaft ist und du weißt, warum du aufstehen musst! Etwas ganz GROSSES wartet auf dich!

  

 

Die Kulinarik blieb nicht zu kurz. Unser täglicher Kaffee am Morgen war ebenso wichtig wie die Verpflegung durch Trockennahrung. Letztere konnte an zwei Checkpoints ab dem Start nach Bedarf aufgefüllt werden und war in der Anmeldegebühr inbegriffen. Ich war begeistert davon. Hochwertig, schmackhaft und schnell zubereitet! Nur das Bier haben wir uns am letzten Abend als Belohnung gegönnt!

    

 

Umso freudiger war die Überraschung, als bei einigen Checkpoints frische Pfannkuchen und Kaffee von ehrenamtlichen Helfern ausgehändigt wurden!

Der Bericht könnte ewig lang sein, Material in Hülle und Fülle.
Was aber möchte ich euch vermitteln?

Warum mache ich das eigentlich?

Seht euch dieses Paradies an! Ruhe und Stille trotz über 2000 Teilnehmern.
Auf eigene Faust hätte ich es noch nicht gewagt. Mittlerweile Wanderprofi, aber in der Wildnis trekken war auch für mich eine neue Art des Entdeckens. Das angebotene Back-up von Fjällräven war die Sicherheit und Unterstützung um Selbstvertrauen in diesem Bereich zu erlangen. Trotzdem selbst verantwortlich zu sein für das Weiterkommen und Meistern dieser Strecke. Es ist gelungen! Ich plane bereits meine nächste private Trekkingreise in das schöne Norwegen um die Lofoten mit dem Zelt zu erkunden.

Was war die größte Herausforderung?

Der gesamte Trip war eine einzige Herausforderung!
Die tägliche Strecke von ca. 22 Kilometern über schwieriges Gelände mit schwerem Gepäck zu bewältigen war eine Herausforderung der besonderen Art. Der Fokus auf die Wegstrecke und trotzdem die Landschaft wahrzunehmen! Trotz Zeitdruck stehenzubleiben, durchzuatmen und nicht zu vergessen wo du dich eigentlich befindest! Und dann kommt Demut auf. Vor der beeindruckenden Kulisse um dich herum und dir selbst mittendrin!

Die intensivste Herausforderung war der dritte Tag am Weg über den Pass. Sturm, plötzlich einsetzender Schneefall und aufgrund der Geröllmassen keine Möglichkeit das Zelt aufzuschlagen. Völlig durchnässt mit schmerzenden Muskeln und Gelenken Kilometer um Kilometer zurückzulegen ohne einem geeigneten Platz in Sicht. Das war Tief Nummer 1 während dieser 5 unvergesslichen Tagen!

 

Was habe ich mitgenommen?

Unvergessliche Eindrücke, Erlebnisse, Selbsterfahrung, Selbsteinschätzung und Freiheit! Ja, Freiheit!
Unerreichbarkeit, Zeit ist Nebensache. Die Intensivität dieser Tage ist enorm und die Übergänge zwischen den Tagesabschnitten spürbar und sichtbar!
Keine Zwänge abgesehen von unterwegs sein und gehen, gehen, gehen! Wird auf dieser Tour der einzige Zwang sein. Ist aber auch der Grund der Teilnahme!

Der Gemeinschaftsfaktor während dieser Strecke ist bemerkenswert. Du gehst allein, bist es aber im Grunde nicht. Smalltalk, Austausch und wenn nötig Unterstützung und Tipps. Offenheit und die interessanten Aspekte der internationalen Teilnehmer sind die reinste Bereicherung für mich gewesen.

Und die Erkenntnis, dass die Natur der beste Art Director ist den man sich vorstellen kann!

Was habe ich am Kungsleden zurücklassen dürfen?

An dieser Stelle sind keine Ausrüstungsgegenstände gemeint. Auch wenn diese am Wegrand immer wieder von anderen Teilnehmern auftauchten und mitgenommen wurden. Zurückgelassen habe ich vorerst die Schnelllebigkeit und den Druck durch Uhren, Terminen und  Öffnungszeiten! Alles was man braucht, hast du bei dir! Minimalismus ist eine Wohltat! Erleichterung und Ballast abzuwerfen, dafür eine Bereicherung in aufnehmen von visuellen Dingen, die keine Gewichte bedeuten. Aber Erinnerungen!!!!

Was ist deine Meinung dazu? Würdest du solch eine Herausforderung annehmen? Oder was war deine größte Herausforderung?

4 Antworten auf „Fotoblog: Fjällräven Classic Sweden – ein 110 km langes Abenteuer!“

  1. Für mich war das gehen nichteinmal eine grosse Herausfoderung, eher eine Erleichterung. Ich war, wohl als einzige, ziemlich traurig als der Trek vorbei war. Ich bin froh wenn ich nächstes Jahr weiter gehen kann. 5 Tage waren mir noch zuwenig.

    Der Fjällräven Classic wird immer in meinem Herz bleiben. Als einer der tollsten Erlebnisse meines Lebens.
    Meine Fjäll-Luftblase um mich herum bleibt hoffentlich noch lange bestehen.

    1. Liebe Sabrina,
      danke für dein Kommentar!
      Auch für mich war das Gehen eine Erleichterung, mit einem Rucksackgewicht von ca. 14 kg aber doch eine Herausforderung im Hinblick, dass ich selbst nur 45 kg habe und erst eine lange Behandlung nach schwerer Krankheit hinter mir habe.
      Traurigkeit war auf jeden Fall da, als der Trek zu Ende war. Und Stolz! Trotzdem würde ich es in Zukunft länger ausrichten. Mehr Tage für die Schönheit dieser Region einplanen. Für mich war es einer der aufregendsten und beeindruckendsten Erlebnisse die ich je erlebt habe. Meine Fjällräven-Blase ist noch vorhanden und denke sehr gerne an diese schöne und herausfordernde Zeit zurück! Und bin sicher, es war nicht mein letzter Aufenthalt im schönen Lappland!

  2. Ein toller Bericht! Eine Freundin hat mich etwas hierzu angefixt und jetzt schauen wir, ob wir das für 2019 mal in Angriff nehmen. Nächstes Jahr ist einfach schon zu voll mit Terminen.
    Es klingt auf jeden Fall nach einem ganz tollen Erlebnis.

    Grüße,
    Sabrina

    1. Danke liebe Sabrina für dein Feedback!
      Es war ein ganz tolles, wenn auch nicht zu unterschätzendes Erlebnis. Mit der richtigen Ausrüstung und Training davor, sollte es aber kein Problem sein. Ich kann es wirklich nur empfehlen. Ausrüstungstipps kommen noch in einem separatem Eintrag. Bin gespannt, ob ihr es ins Auge fasst 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Yvonne

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